Lesestoff

هزارافسانه

der neuseeländer anthony mccarten ist ein großartiger erzähler. schon mit 25 schrieb er den theaterhit "ladies night", die geschichte über arbeitslose männer, die sich als stripper verdingen. klingelt´s da? 20th century fox verfilmte die story unter dem titel "ganz oder gar nicht""/ "the full monty". unautorisiert. mccarten klagte!
außerdem schrieb er zahlreiche weitere theaterstücke, mehrere drehbücher, kurzgeschichten und den bestseller "superhero". sein letztes werk englischer harem ist ein orientalisches märchen, das im heutigen london spielt.

Eine junge Frau zu ihren Eltern, untere Mittelschicht im Londoner Vorort: "Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: Ich heirate, die schlechte: Er ist Perser. Und übrigens: Er hat bereits zwei Frauen."

leider ist die deutsche übersetzung für meinen geschmack etwas zu germanisch. trotzdem lesenswert. wer englisch kann, bitte das original.

die welt ohne uns

ist ein wunderbar anregendes buch, das ich nur jedem empfehlen kann!
ein resümee hat josefson vom standard geschrieben.

Comment parler des livres que l’on n’a pas lus

wie der französische literaturprofessor pierre bayard auf die idee kommt, dass man sein buch wie man über bücher spricht, die man nicht gelesen hat trotz seiner empfehlung lesen sollte, ist mir schleierhaft. ich habe es geschenkt bekommen und deshalb gelesen, weil ich das lesen liebe und aus einer gewissen neugier über die chuzpe des autors.

Der versierte Nichtleser unterscheidet vier Haupttypen: unbekannte Bücher, Bücher, die man quergelesen hat, Bücher, die man nur vom Hörensagen kennt, und solche, deren Inhalt wir schon wieder vergessen haben.

er will das schlechte gewissen kanonbeflissener bildungsbürger beruhigen, indem er behauptet, man müsse ein buch nicht gelesen haben, um darüber zu reden. damit stellt er eine these auf, nämlich, dass dies ein tabu wäre. man könnte auch ganz einfach sagen: "ich habe das buch nicht gelesen!"

ich lese aber, um in fremde welten einzutauchen, neues zu lernen und meine fantasie anzuregen, mich zu unterhalten. nicht, um darüber zu reden.

Gehobener Groschenroman

die glasbücher der traumfresser von gordon dahlquist ist ein, in zehn einzelbände unterteilter, 895 seiten schundroman, in der zeit des viktorianischen englands. es geht um geheimnisvolle blaue glas-speichermedien, mit deren hilfe skrupellose verschwörer ihren opfern träume und erinnerungen aussaugen. drei helden, die sitzengelassene celeste tempel, der auftragskiller kardinal chang sowie abelard svenson, der leibarzt eines prinzen, nehmen es mit den dunklen mächten auf.

wie schon im klappentext steht: "Zehn komfortabel zu lesende Bände für die schlanke Damenhand und für den Herrn auf Reisen".

Langeweile, Laster und Not

voltaire hat die aufgeweckte satire candide zur zeit der aufklärung geschrieben. der junge, naive held dieses romans glaubt an die lehren seines hauslehrers pangloß, dass diese welt die beste aller möglichen sei. doch gleich im ersten von dreißig episodenhaft kurzen kapiteln muss candide feststellen, dass dies so nicht stimmen kann. er erlebt naturkatastrophen, morde, vergewaltigungen, kriege, betrug, schiffbruch, ...
am ende bleibt die erkenntnis, dass der garten des lebens für jeden selbst zu bestellen ist, um zur besten aller welten zu werden.
ich habe das buch zum ersten mal in händen gehalten als meine aufklärung noch nicht lange zurücklag. jetzt wieder, als praktisches taschenbuch, hervorragend in der strassenbahn zu lesen.

Achtung Werbung!

da war ich also eben ein paar tage in hamburg und krieg von der tante einer freundin ihr neues buch zugeschanzt, mit persönlicher widmung. als würd´s nicht reichen, dass die geschichte in meinem lieblingsviertel spielt und leute vorkommen, die ich kenne.
also krimifreunde, kaufen, kaufen, kaufen....

ist er´s?

mittwochs ist nie was g´scheites im tv. also nehme ich ein weihnachtsgeschenk zur hand: das bin doch ich von thomas glavinic.

vergnüglich erzählt er darin von den nöten eines autors und es gelingt ihm, eine halbfiktive figur (nämlich sich selbst) als hypochondrischen deppen darzustellen und dabei stilistisch auf hohem niveau zu operieren. in einer mischung aus selbstmitleid und peinlichen slapstick-nummern nimmt er den literaturbetrieb aufs korn.
besser als jeder fernsehabend...

Für stille Zeiten

zum jahresausklang möchte ich einen klassiker des österreichischen literaturkanons von marlen haushofer empfehlen: die wand

Klappentext:
Eine Frau will mit ihrer Kusine und deren Mann ein paar Tage in einem Jagdhaus in den Bergen verbringen. Abends unternimmt das Paar noch einen Gang ins Dorf. Am Morgen stellt sich heraus, daß die beiden in der Nacht nicht zurückgekehrt sind. Zusammen mit dem Hund macht die Frau sich auf den Weg, um sie zu suchen. Doch plötzlich kehrt der Hund mit blutender Schnauze zu ihr zurück, und dann stößt sie selbst auf ein unsichtbares Hindernis. Es ist eine riesige gläserne Wand, durch die sie, der Hund, eine Katze und eine trächtige Kuh in einem genau umgrenzten Stück Natur gefangen sind ...

Familiengeschichte und Identität

wie aus einem füllhorn ergießen sich die amüsanten anekdoten und ereignisse der familie eva menasses (halbschwester von schriftsteller robert menasse). in ihrem debüt vienna wimmelt es vor wiener schmäh und kaffeehausg´schichtln, nebenbei erfährt man auch einiges aus einem jahrhundert österreichischer geschichte. das wienerische idiom und onkel königbees legendäre wortverwechslungen ( "das ist nicht meine dämone") bringen immer wieder zum schmunzeln. und, den spruch des, zu einem spaziergang aufgeforderten, großvaters: „a jud geheert ins kaffeehaus, bin i a reh?“, find ich genial...
g´rad in der weihnachtszeit vertehen wir alle onkel königsbee, um ihn nochmals zu zitieren: "drei wochen lang hab ich mich kastriert und trotzdem kein deka abgenommen".

Hot Chili Pepper

zwar ist die spekulativ "schockierende" eröffnung von robert menasses don juan de la mancha eher ein grund das buch nicht zu lesen, aber bald stellt sich heraus, dass dies eine feine geschichte wiens der letzten 50 jahre ist. wiedererkennungseffekt, zeitgeschichte. längst vergessene lokale, vertraute plätze, strassen, cafés, erinnerungen an jüngere tage. nathan, der protagonist, an die sechzig und der lust verlustig, auf der suche nach der ursache, lässt sein leben und seine liebschaften revue passieren.
eine zeit- und milieustudie die sich leicht und luftig liest. unterhaltsam.

Inquiry Desk

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